Archiv für ‘Gedanken beim Rauchen’ Kategorie

Grand Hotel Bellevue wird Zweisaisonbetrieb

Dienstag, 16. Februar 2010

Ein Hotel wurde aus dem Dornröschen Schlaf wachgeküsst. Himmelhochjauchzend nahm Gstaad 2001 zur Kenntnis, dass der Unternehmer Thomas Straumann 50 Millionen in das Hotel Bellevue investiert. Die Schönheiten des ehemaligen Grand Hotel wurden mit dem Umbau in ein rechtes Licht gesetzt. Auch eine 2000m2 grosse Wellness Anlage wurde aus dem Wasser gehoben. Mit der Eröffnung am 6. Dezember 2002 sind hohe Ziele formuliert und kommuniziert worden. Gstaad hatte – nebst dem Ermitage-Golf – seinen zweiten 5-Stern Ganzjahresbetrieb.

Und jetzt, sieben Jahre nach der Eröffnung als Ganzjahresbetrieb wird das Grand Hotel Bellevue in Gstaad in ein Zweisaisonbetrieb umgewandelt. Grund sei der permanente Verlust. Stand in der Presse. Man stelle sich vor, dass ein Hotel mit dieser Infrastruktur in Gstaad als Ganzjahresbetrieb nicht rentabel arbeiten kann. Unglaublich und leider wahr.

Die Region Gstaad versucht seit Jahren eine Ganzjahres Region zu werden. Die Bergbahnen öffnen mit der Wispile eine zweite Bergbahn bereits an der Auffahrt, 13. Mai 2010. Der Hotelierverein Gstaad bezahlt den Bergbahnen einen einmaligen Betrag von 25’000.– Franken. Mit dem “Literarischen Herbst Gstaad” baut die Tourismusorganisation einen neuen Event auf. Das Zielpublikum könnte demjenigen des Bellevues entsprechen. Der Prachtsbau “Les Arts de Gstaad” soll in unmittelbarer Nähe vom Bellevue erstellt werden. Nebst den klassischen Konzerten sollen in diesem Bau mitunter Ausstellungen gezeigt werden. Ganz Gstaad wandelt sich zur Ganzjahres Destination. Und das Bellevue schliesst seine Türen im Frühjahr und im Herbst. Mit diesem genialen Produkt am Standort Gstaad. Unglaublich.

Diverse Hotels in der Region Gstaad beweisen, dass es funktioniert einen Ganzjahresbetrieb aufrecht zu halten. Unser Bernerhof ist seit über 15 Jahren ein 4 Jahreszeiten Hotel. In dieser Zeit haben wir über 6 Millionen Franken investiert. Wir haben die Finanzkosten aus unseren erwirtschafteten Mitteln getätigt. Und dies ist keinem Bubentraum enstsprungen, sondern sorgfälltiger Planung. So wahr ich hier schreibe behaupte ich, dass das Grand Hotel Bellevue rentabel als Ganzjahresbetrieb zu betreiben ist. Mit der richtigen Positionierung und einem vorausschauenden Management.

Lassen wir das. Bin ja nicht Unternehmensberater. Jetzt brauche ich eine Zigarre. Und zwar meine Lieblingszigarre: Davidoff Diademas.

Nochwas: Das Hotel Ermitage-Golf in Schönried beweisst seit Jahren, dass ein richtig positioniertes 5-Stern Hotel 365 Tage im Jahr geöffnet und rentabel geführt werden kann. Einen ersten Erweiterungsbau haben sie hinter sich und der zweite Neubau steht bevor. Die Herren Lutz und Schmid sind Unternehmer, welche jeden verdienten Franken wieder investieren. Und das verdient meinen Applaus. Bravo!

Gäste und Mitarbeiter

Dienstag, 05. Januar 2010

So, die Verherrlichung und Beglückwünschung ist vorbei. Ich hoffe Sie fühlen sich gut, nach gefülltem Truthahn an Weihnachten und Rollmops an Neujahr. Die Erwartungen nehmen wieder ab. Der Alltag hat uns wieder. Und das ist schön.

Zeit, ein kleines Dankeschön an meine Mitarbeitenden zu machen. Selbstverständlich danke ich auch allen unseren Gäste. Ohne Sie wären unsere Investitionen der letzten Jahre nicht möglich gewesen.

Ich möchte Ihnen anhand der untenstehenden Zahlen und Buchstaben sagen, was in einem normalen vier Sterne Hotel mit vier Restaurants zwischen dem 26. Dezember und dem 2. Januar so alles passiert.

In unseren vier Restaurants, mit Total 280 Sitzplätzen, haben wir von 11.00 – 23.00 Uhr während der oben erwähnten Zeit 4’000 Hauptgänge serviert. 400 Flaschen Wein & Champagner wurden an den Tischen serviert. Im Offenausschank haben wir 3’000 Gläser Wein und Champagner verkauft. Dies zu bewerkstelligen haben 15 Köche in unseren drei Küchen mitgeholfen. 19 Mitarbeitende im Service betreuten unsere Gäste täglich während 20 Stunden. Unsere Mitarbeiter hatten in dieser Zeit 15-Stunden Tage. Für die Reinigung der Räume und den Abwasch waren 15 Mitarbeitende zuständig. Ich kann Ihnen sagen, es waren Berge von Tellern und Gläser zu bewältigen.

Wie viele Menschen durch unsere Türen ein und aus gingen, lässt sich nur schätzen. Ich meine, dass dies in den 8 Tagen über 10’000 Leute waren.

Was bei einer solchen Situation auf die Mitarbeitenden alles einprasselt, lässt sich für Aussenstehende nur sehr schwer abschätzen. Erst einmal wird von einer Servicefachkraft in Gstaad erwartet, dass sie fliessend Deutsch, französisch und englisch spricht. Von Vorteil sind italienisch und spanisch. Die Gäste beginnen ganz selbstverständlich in ihrer gewohnten Landessprache zu sprechen. Die Mitarbeitenden müssen innerhalb von Minuten drei verschiedene Sprachen sprechen. Sie müssen alle Eigenschaften der Weine, welche auf der Weinkarte steht kennen. Selbstverständlich, dass die Speisekarte in drei Sprachen im Kopf ist. Dazu, woher welches Produkt kommt und wie was schmeckt. Intus muss sein, welche Lebensmittel zu welcher Allergie „passen“.

Von den Empfindlichkeiten, die abgefedert werden müssen, will ich gar nicht sprechen. An Weihnachten und Neujahr hat so mancher Mensch ein Down. Wenn die Familie bei schlechter Witterung tagelang auf engstem Raum zusammen ist, wird dadurch die Stimmung nicht besser.

Dies soll nicht als Klagelied missverstanden werden. Wir alle arbeiten sehr gerne in unserem Beruf. Was ich sagen will, welche grossartige Leistung Mitarbeitenden in einem Hotel und Restaurant und in der Dienstleistung erbringen.

Unter Freunden: Viel Freude und Genuss im neuen Jahr.

Wir feiern und trinken Champagner

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Wohl um kein Getränk der Welt sind so viele Mythen entstanden wie die um Champagner. Vor nicht allzu langer Zeit wurde uns gesagt, dass die Genussmenschen die Champagner Vorräte wegtrinken. Champagner wird bekanntlich nur in der Champagne angebaut. Dem Schweizer Dörfchen Champagne am Jura Südfuss gelegen, verboten die Franzosen gar den eigenen Namen „Champagne“ für ihren Wein zu verwenden. Dies, obwohl das Dorf bereits im Jahr 885 unter dem Namen Campania erwähnt wurde. Die Menge ist demzufolge von der Anbaufläche her begrenzt. Die neureichen Russen und noch neureicheren Chinesen haben Champagner aus der Hülle in voller Fülle fliessen und verspritzen lassen.

Die Champagner Hersteller begannen Champagner als Wein für jede Gelegenheit zu proklamieren. Ein Cuvée zur Vorspeise, Rosé zum Hauptgang, Vintage-Champagner zum Dessert. Der Erfolg von Partys wurde in Hektolitern gemessen, der Menge Schämpus, mit der Gäste abgefüllt wurden. Und dem Anbaugebiet wurden neue Teile zugeschlagen um die Quelle nicht versiegen zu lassen.

Doch, oh Wunder, bevor er knapp wurde, wurde er erst einmal teurer. Schon mittelklassige Flaschen kosteten schnell über 30 Franken. 2009 ist der Absatz eingebrochen. Manche Marken beklagen grosse Rückgänge. Die Finanzen wurden knapper und Champagner gibt es fortan wieder in reichlichen Mengen. In einem Jahr in dem es mehr zu verdrängen als zu feiern gibt, bieten sich eh andere Alkoholika an.

Begegnen wir dem Getränk Champagner mit dem gebotenen Respekt und trinken ihn nicht aus einer Schale sondern aus einem tulpenförmigen Glas. Mein Lieblings Champagner ist Bolliger. Eine Besonderheit des Hauses Bollinger stellt der sogenannte R.D. Champagner dar. In die Produktpalette eingeführt um 1960 vom ehemaligen Leiter des Hauses Bollinger, Christian Bizot (1928-2002). Dabei handelt es sich um einen Jahrgangs-Champagner, der von mindestens acht Jahren sachgerechter Lagerung auf der Hefe profitierte, jedoch erst ‘Recently Disgorged’ (R.D.) bzw. erst vor kurzem degorgiert wurde. Das Datum der Degorgierung wird auf einem Etikett auf der Rückseite der Flasche vermerkt. Diese R.D.-Champagner weisen zusätzliche Aromen und geschmacklich eine gewisse Jugend auf – trotz ihres Alters. Ein herrliches Getränk mit welchem gebührend auf ein grosses Ereignis angestossen werden kann. So zum Beispiel zum heutigen Wechsel des Jahrzehnts.

À votre santé

Sönd Wöllkomm

Donnerstag, 12. November 2009

hof_aussen_grHeute bekam ich Post vom besten Hotelier in der Schweiz. „Sönd Wöllkomm“, begrüsst es aus dem Büchlein. Der Absewnder des herzhaften Grusses: Hof Weissbad in Weissbad, Hotelier Lienhard Christian. – Natürlich, auch Lieni versteckt sich hinter einer starken Frau. Der Damaris. Die ist noch besser als er. Im Fall.

Die beiden haben aus dem Nichts einen Vorzeigebetrieb erschaffen. An und für sich, ist es keine Kunst, ein Hotel zu bauen. Ein florierendes wie das Hof Weissbad jedoch schon. Dies hat kein Mäzenen Hotel geschafft. Von den Hotelranglistenmachern hochgelobt, von den Kunden jedoch verschmäht. Die Lienhards haben in den 15 Jahren eine Auslastung von gegen 100% erreicht. Es wurde investiert. Es wurde kultiviert. Nicht gestikuliert. Kurz die Lienhards sind Macher. Und sie lassen machen. Ihre Mitarbeiter. Die Käthi Fässler wurde von GaultMillau zur Köchin des Jahre 2009 gekürt.

Ich wünsche allen Genussmenschen, dass Sie sich einmal wohl- und fühlen lassen können im Hof Weissbad. Es isch nämli e guet’s Hotel.